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Katzen in guten Händen in der Tierarztpraxis Fiddicke

Patient Katze 

Die Katze als Patient – besondere Bedürfnisse, besondere Aufmerksamkeit

Katzen sind faszinierende Tiere – und zugleich ganz besondere Patienten. Sie zeigen Schmerzen, Unwohlsein oder Erkrankungen häufig deutlich später und unauffälliger als Hunde. Schon kleine Veränderungen im Verhalten, beim Fressen, Trinken, bei der Fellpflege oder beim Toilettengang können deshalb wichtige Hinweise auf eine Erkrankung sein.

In unserer Kleintierpraxis nehmen wir uns Zeit, Ihre Katze möglichst stressarm und gründlich zu untersuchen. Neben der Behandlung akuter Beschwerden spielt auch die Vorsorge eine wichtige Rolle. Regelmäßige Gesundheitschecks können dazu beitragen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen zu häufigen Erkrankungen der Katze, zu Vorsorge, Diagnostik, Ernährung und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Unser Ziel ist es, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern möglichst die Ursache einer Erkrankung zu erkennen und gemeinsam mit Ihnen die passende Therapie für Ihre Katze zu finden.

Übersicht
FORL
FORL
FORL bei der Katze – wenn Zahnschmerzen lange unbemerkt bleiben


FORL gehört zu den häufigsten und schmerzhaftesten Zahnerkrankungen bei Katzen. Das Tückische daran: Viele Katzen zeigen ihre Zahnschmerzen erst sehr spät. Sie fressen scheinbar normal weiter und lassen sich im Alltag kaum etwas anmerken.

Deshalb werden Zahnprobleme bei Katzen häufig erst bei einer gründlichen Untersuchung entdeckt.


Was ist FORL?


FORL steht für Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen.

Bei dieser Erkrankung wird die Zahnsubstanz durch körpereigene Zellen, sogenannte Odontoklasten, nach und nach abgebaut. Der Prozess beginnt häufig im Bereich der Zahnwurzel oder am Zahnhals und kann sich zunehmend auf weitere Teile des Zahnes ausbreiten.

Dabei entstehen Defekte an den Zähnen, die für die Katze sehr schmerzhaft sein können.

FORL ist keine klassische Karies und entsteht auch nicht einfach aufgrund mangelnder Zahnpflege.


Woran erkenne ich FORL bei meiner Katze?


Katzen sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Selbst Katzen mit erheblichen Zahnveränderungen können weiterhin fressen.

Mögliche Hinweise sind:


  • vorsichtiges oder einseitiges Kauen

  • plötzliches Fallenlassen von Futter

  • Bevorzugung von weichem Futter

  • Zögern vor dem Futternapf

  • Speicheln

  • Mundgeruch

  • Zähneknirschen oder auffällige Kaubewegungen

  • Kopfschütteln oder Reiben mit der Pfote am Maul

  • Rückzug oder verändertes Verhalten

  • Abwehr beim Berühren des Kopf- oder Maulbereiches

  • gerötetes oder entzündetes Zahnfleisch

Manchmal gibt es jedoch überhaupt keine für den Besitzer erkennbaren Symptome.


Warum reicht eine normale Zahnkontrolle nicht immer aus?


Ein wichtiger Punkt bei FORL ist, dass ein großer Teil der Erkrankung unterhalb des Zahnfleisches beziehungsweise im Bereich der Zahnwurzeln liegen kann.

Von außen kann ein Zahn daher relativ unauffällig aussehen, obwohl bereits deutliche Veränderungen vorhanden sind.

Aus diesem Grund gehört bei Verdacht auf FORL eine gründliche Untersuchung der Zähne einschließlich Dentalröntgen zu einer zuverlässigen Diagnostik.

Dabei werden die einzelnen Zähne und insbesondere ihre Wurzeln beurteilt.


Warum ist Dentalröntgen so wichtig?


Ohne Röntgenaufnahmen können Veränderungen im Bereich der Zahnwurzeln leicht übersehen werden.


Erst anhand der Röntgenbilder lässt sich beurteilen:

  • welche Zähne betroffen sind,

  • wie weit die Veränderungen fortgeschritten sind,

  • wie die Zahnwurzeln aussehen und

  • welche Behandlung für den jeweiligen Zahn notwendig ist.

Deshalb kann die endgültige Entscheidung darüber, welche Zähne behandelt oder entfernt werden müssen, häufig erst während der Zahnsanierung nach Anfertigung der Dentalröntgenaufnahmen getroffen werden.


Wie wird FORL behandelt?


Ein bereits durch FORL geschädigter Zahn kann leider nicht wieder gesund werden. Eine Füllung oder oberflächliche Behandlung beseitigt die zugrunde liegende Erkrankung nicht.

Schmerzhafte und entsprechend veränderte Zähne müssen daher in der Regel entfernt werden.

Welche Vorgehensweise notwendig ist, hängt vom Befund des jeweiligen Zahnes und insbesondere von der Situation der Zahnwurzeln im Röntgenbild ab.

Die Behandlung erfolgt selbstverständlich unter Narkose und mit einer angemessenen Schmerztherapie.


Können Katzen nach Zahnextraktionen noch normal fressen?


Diese Sorge haben viele Katzenbesitzer – verständlicherweise.

In der Regel kommen Katzen auch mit mehreren fehlenden Zähnen erstaunlich gut zurecht. Entscheidend ist nicht die Anzahl der vorhandenen Zähne, sondern dass keine schmerzhaften Zähne im Maul verbleiben.

Viele Besitzer berichten nach einer Zahnsanierung sogar, dass ihre Katze wieder aktiver ist, besser frisst oder insgesamt ausgeglichener wirkt. Erst im Nachhinein wird manchmal deutlich, wie sehr die Zahnschmerzen das Tier zuvor belastet haben.


Kann FORL erneut auftreten?


Ja. Auch wenn alle zum Zeitpunkt der Behandlung betroffenen Zähne versorgt wurden, können später Veränderungen an anderen Zähnen entstehen.

Deshalb sind regelmäßige Zahnkontrollen besonders wichtig.


Unser Rat


FORL kann erhebliche Schmerzen verursachen, bleibt bei Katzen aber häufig lange unentdeckt.

Achten Sie deshalb nicht nur darauf, ob Ihre Katze frisst, sondern auch darauf, wie sie frisst.

Bei Auffälligkeiten im Maulbereich, Mundgeruch, verändertem Fressverhalten oder gerötetem Zahnfleisch sollte eine tierärztliche Zahnkontrolle erfolgen.

Auch bei scheinbar beschwerdefreien Katzen empfehlen wir regelmäßige Kontrollen der Maulhöhle.

Denn ein gesundes und schmerzfreies Maul trägt wesentlich zur Lebensqualität Ihrer Katze bei.

Nieren-Erkrankungen

Nierenerkrankungen gehören besonders bei älteren Katzen zu den häufigeren Erkrankungen. Das Problem: Katzen zeigen oftmals erst spät deutliche Symptome. Eine regelmäßige Vorsorge und frühzeitige Diagnose sind deshalb besonders wichtig.


Welche Aufgaben haben die Nieren?


Die Nieren erfüllen zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Sie filtern Abbauprodukte aus dem Blut, regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt und sind unter anderem an der Regulation des Blutdrucks beteiligt.

Bei einer Nierenerkrankung nimmt diese Leistungsfähigkeit zunehmend ab. Man unterscheidet dabei zwischen einer akuten Nierenschädigungund einer chronischen Nierenerkrankung (CNE).


Typische Symptome


Nierenprobleme entwickeln sich bei Katzen häufig schleichend. Mögliche Anzeichen sind:

  • vermehrtes Trinken

  • vermehrter Urinabsatz

  • Gewichtsverlust

  • schlechter oder wechselnder Appetit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Müdigkeit und Rückzug

  • stumpfes oder ungepflegtes Fell

  • Austrocknung

  • unangenehmer Maulgeruch

  • Muskelschwund

Besonders wenn eine ältere Katze plötzlich deutlich mehr trinkt oder Gewicht verliert, sollte die Nierenfunktion überprüft werden.


Wie stellen wir eine Nierenerkrankung fest?


Zur Diagnostik gehören neben der allgemeinen Untersuchung vor allem Blut- und Urinuntersuchungen.

Im Blut können unter anderem folgende Werte beurteilt werden:

  • Kreatinin

  • Harnstoff

  • SDMA

  • Phosphat

  • Elektrolyte

Ebenso wichtig ist eine Urinuntersuchung, da sie beispielsweise Informationen über die Konzentrationsfähigkeit der Nieren und einen möglichen Eiweißverlust liefert.

Je nach Befund können zusätzlich eine Blutdruckmessung und eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege sinnvoll sein.


Warum Vorsorge so wichtig ist


Eine Katze kann bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, obwohl sie äußerlich noch gesund erscheint.

Gerade bei älteren Katzen sind deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Blut- und Urinkontrollen empfehlenswert. Je früher Veränderungen erkannt werden, desto früher können wir gezielt reagieren.


Wie werden Nierenprobleme behandelt?


Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Stadium der Erkrankung und wird individuell auf die Katze abgestimmt.


Mögliche Bestandteile der Therapie sind:

  • angepasste Ernährung

  • ausreichende Flüssigkeitsversorgung

  • Behandlung von Übelkeit und Erbrechen

  • Kontrolle erhöhter Phosphatwerte

  • Behandlung eines erhöhten Blutdrucks

  • Therapie eines Eiweißverlustes über die Nieren

  • Ausgleich von Elektrolytstörungen

  • Infusionen bei Bedarf

  • regelmäßige Blut- und Urinkontrollen

Bei einer chronischen Nierenerkrankung kann bereits geschädigtes Nierengewebe in der Regel nicht wiederhergestellt werden. Ziel ist deshalb, die noch vorhandene Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten und der Katze eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.


Die richtige Ernährung


Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie sollte jedoch immer an das Stadium der Erkrankung, die Laborwerte und den Ernährungszustand der Katze angepasst werden.

Ganz besonders wichtig: Die Katze muss fressen. Eine Katze sollte nicht über längere Zeit hungern, nur weil sie ein bestimmtes Nierenfutter nicht akzeptiert.

Auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme spielt eine wichtige Rolle. Nassfutter, zusätzliche Wassernäpfe oder Trinkbrunnen können dabei hilfreich sein.


Unser Rat: Nierenwerte frühzeitig kontrollieren


Nierenerkrankungen lassen sich umso besser begleiten, je früher sie erkannt werden.

Trinkt Ihre Katze auffällig viel, verliert Gewicht, frisst schlechter oder erbricht häufiger? Dann empfehlen wir eine tierärztliche Untersuchung mit Kontrolle der Nierenwerte und des Urins.

Auch bei Katzen ohne erkennbare Beschwerden sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im höheren Lebensalter sinnvoll.

Schilddrüsenüberfunktion
Hyperthyreose bei der Katze – Schilddrüsenüberfunktion erkennen und behandeln


Die Hyperthyreose der Katze, auch Schilddrüsenüberfunktion genannt, gehört zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen älterer Katzen. Typisch ist, dass betroffene Katzen Gewicht verlieren, obwohl sie gut oder sogar deutlich mehr als früher fressen.


Die Erkrankung lässt sich in vielen Fällen gut behandeln. Wichtig ist jedoch eine frühzeitige Diagnose, da eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion unter anderem Herz, Kreislauf und Nieren belasten kann.


Was ist eine Hyperthyreose bei der Katze?


Die Schilddrüse produziert die Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Diese Hormone beeinflussen zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper.

Bei einer Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Dadurch läuft der Stoffwechsel der Katze gewissermaßen ständig auf Hochtouren.

Ursache sind meistens gutartige Veränderungen des Schilddrüsengewebes. Bösartige Schilddrüsentumoren kommen deutlich seltener vor.


Welche Katzen sind betroffen?


Eine Schilddrüsenüberfunktion tritt hauptsächlich bei älteren Katzen auf. Bei jungen Katzen ist die Erkrankung selten.

Da viele Symptome zunächst als normale Alterserscheinungen fehlinterpretiert werden können, ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung älterer Katzen besonders wichtig.

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion

Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Typische Anzeichen sind:

  • Gewichtsverlust trotz guten oder gesteigerten Appetits

  • vermehrter Hunger

  • Unruhe und gesteigerte Aktivität

  • vermehrtes Miauen

  • erhöhter Durst

  • vermehrter Urinabsatz

  • Erbrechen

  • Durchfall oder vermehrter Kotabsatz

  • stumpfes oder ungepflegtes Fell

  • schneller Herzschlag

  • Muskelschwund

  • Wärmeempfindlichkeit

  • teilweise aggressiveres oder verändertes Verhalten

Ein besonders typischer Hinweis ist:

Die Katze frisst gut oder sogar mehr als früher und nimmt trotzdem ab.

In fortgeschrittenen Fällen können die Tiere deutlich geschwächt sein.


Warum kann eine Hyperthyreose das Herz belasten?


Durch die erhöhten Schilddrüsenhormone wird das Herz dauerhaft stärker beansprucht. Die Herzfrequenz steigt und der Herzmuskel kann sich verändern.

Bei manchen Katzen entwickelt sich außerdem ein erhöhter Blutdruck (Hypertonie).


Eine unbehandelte Hyperthyreose kann deshalb langfristig erhebliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben.


Hyperthyreose und Nieren – ein wichtiger Zusammenhang

Bei älteren Katzen können gleichzeitig eine Schilddrüsenüberfunktion und eine chronische Nierenerkrankung bestehen.

Eine Hyperthyreose kann durch die veränderte Nierendurchblutung eine eingeschränkte Nierenfunktion teilweise verdecken. Nach Beginn der Schilddrüsenbehandlung können zuvor weniger auffällige Nierenprobleme deutlicher erkennbar werden.

Deshalb sollten bei der Diagnose und während der Behandlung nicht nur die Schilddrüsenwerte, sondern auch die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden.


Wie wird eine Hyperthyreose diagnostiziert?


Neben der allgemeinen Untersuchung wird häufig auch die Schilddrüsenregion am Hals abgetastet.

Entscheidend ist anschließend eine Blutuntersuchung.

Dabei wird insbesondere der Schilddrüsenwert Gesamt-T4 (T4) bestimmt. Bei vielen betroffenen Katzen ist dieser deutlich erhöht.

Bei einem klinischen Verdacht und einem noch unauffälligen oder grenzwertigen T4-Wert können weitere Untersuchungen oder eine erneute Kontrolle erforderlich sein.

Zusätzlich sollten unter anderem kontrolliert werden:

  • Nierenwerte

  • Leberwerte

  • Blutbild

  • Elektrolyte

  • Urin

  • Blutdruck

Je nach Befund können weitere Untersuchungen des Herzens oder der Schilddrüse sinnvoll sein.


Wie wird die Hyperthyreose bei der Katze behandelt?


Für die Behandlung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.


Medikamente

Sehr häufig werden Medikamente eingesetzt, die die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen.

Diese Behandlung kann gut eingestellt werden, erfordert jedoch regelmäßige Blutkontrollen, um die Dosierung anzupassen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.


Radiojodtherapie

Die Radiojodtherapie kann krankhaft verändertes Schilddrüsengewebe gezielt behandeln und bietet bei geeigneten Patienten die Möglichkeit einer dauerhaften Therapie.

Sie wird in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt.


Operation

In bestimmten Fällen kann verändertes Schilddrüsengewebe chirurgisch entfernt werden. Ob eine Operation sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.


Jodreduzierte Ernährung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine spezielle jodreduzierte Ernährung eingesetzt werden. Damit diese funktioniert, darf die Katze jedoch ausschließlich dieses Futter erhalten und keine anderen jodhaltigen Futtermittel oder Leckerlis aufnehmen.


Warum sind regelmäßige Kontrollen wichtig?


Nach Beginn einer Behandlung müssen die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden. Gleichzeitig sollten insbesondere die Nierenfunktion, das Körpergewicht und der Allgemeinzustand überwacht werden.

Je nach Therapie können außerdem Blutbild, Leberwerte und Blutdruck kontrolliert werden.

Die Medikamentendosis sollte niemals eigenständig verändert werden.


Wie ist die Prognose?


Eine frühzeitig erkannte und gut eingestellte Hyperthyreose lässt sich bei vielen Katzen erfolgreich behandeln.

Entscheidend für die langfristige Prognose sind auch mögliche Begleiterkrankungen, insbesondere Erkrankungen der Nieren und des Herz-Kreislauf-Systems.

Wann sollte Ihre Katze untersucht werden?

Lassen Sie Ihre Katze untersuchen, wenn sie trotz guten Appetits zunehmend Gewicht verliert, ungewöhnlich unruhig wird, deutlich mehr trinkt oder sich ihr Verhalten verändert.

Gerade bei älteren Katzen empfehlen sich regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Blutkontrollen.

Je früher eine Schilddrüsenüberfunktion erkannt wird, desto früher können wir gegensteuern und mögliche Folgeerkrankungen reduzieren.

Kleintierpraxis Mirjam Fiddicke
Vorsorge – Diagnostik – individuelle Therapie

HCM – Hypertrophe Kardiomyopathie
HCM bei der Katze – wenn der Herzmuskel zu dick wird


Die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist eine der häufigsten Herzerkrankungen bei Katzen. Dabei verdickt sich der Herzmuskel – insbesondere die Muskulatur der linken Herzkammer. Dadurch wird das Herz zunehmend steifer und kann sich während der Füllungsphase nicht mehr ausreichend entspannen.


Das Tückische daran: Viele Katzen zeigen über lange Zeit keinerlei erkennbare Beschwerden. Nicht selten fällt die Erkrankung zunächst nur durch ein Herzgeräusch, einen auffälligen Herzrhythmus oder im Rahmen einer Routineuntersuchung auf.


Was passiert bei einer HCM?


Bei einer HCM wird die Wand der linken Herzkammer zunehmend dicker. Dadurch steht im Inneren der Herzkammer weniger Platz zur Verfügung und die Entspannungs- und Füllungsfähigkeit des Herzens kann beeinträchtigt werden.

Im weiteren Verlauf kann sich der linke Vorhof vergrößern. Bei fortgeschrittener Erkrankung besteht das Risiko einer Herzinsuffizienz mit Flüssigkeitsansammlung in der Lunge oder im Brustkorb.


Außerdem kann sich durch die veränderten Strömungsverhältnisse im vergrößerten linken Vorhof ein Blutgerinnsel bilden. Wird ein solches Gerinnsel mit dem Blutstrom weitertransportiert, kann es insbesondere die Blutversorgung der Hinterbeine blockieren. Man spricht von einer Aortenthrombose bzw. arteriellen Thromboembolie. Dies ist ein akuter und sehr schmerzhafter Notfall.


Welche Katzen sind besonders betroffen?


Grundsätzlich kann jede Katze an einer HCM erkranken. Bei einigen Rassen besteht jedoch eine genetische Veranlagung.

Dazu gehören unter anderem:


  • Maine Coon

  • Ragdoll

  • Britisch Kurzhaar

  • Sphynx

  • Perserkatzen und weitere Rassekatzen


Aber auch bei ganz normalen Hauskatzen tritt HCM häufig auf.

Bei Maine Coon und Ragdoll sind bestimmte genetische Varianten bekannt. Ein Gentest kann bei diesen Rassen hilfreich sein, ersetzt jedoch keinen Herzultraschall, da nicht jede HCM durch die bekannten Mutationen verursacht wird.


Welche Symptome können auftreten?


Im frühen Stadium zeigt die Katze häufig überhaupt keine Symptome.

Mögliche Anzeichen einer fortgeschrittenen Herzerkrankung sind:

  • schnellere Atmung

  • erschwerte oder angestrengte Atmung

  • verminderte Belastbarkeit

  • Schwäche

  • vermehrtes Ruhen

  • Appetitverlust

  • plötzliches Zusammenbrechen

  • Atemnot

  • plötzlich schmerzhafte oder gelähmte Hinterbeine bei einer Thromboembolie

Husten ist bei herzkranken Katzen im Gegensatz zum Hund eher untypisch.


Wie wird HCM festgestellt?


Das Abhören des Herzens ist ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung. Ein Herzgeräusch oder ein auffälliger Herzrhythmus können Hinweise auf eine Herzerkrankung geben.


Allerdings gilt:

Nicht jede Katze mit HCM hat ein hörbares Herzgeräusch – und nicht jedes Herzgeräusch bedeutet automatisch HCM.

Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose ist deshalb der Herzultraschall (Echokardiographie). Hierbei können unter anderem die Dicke des Herzmuskels, die Größe der Herzkammern und Vorhöfe sowie die Funktion und die Blutströmung im Herzen beurteilt werden.


Je nach Befund können zusätzlich sinnvoll sein:

  • Blutdruckmessung

  • EKG

  • Röntgen des Brustkorbs

  • Blutuntersuchungen

  • NT-proBNP als kardialer Biomarker

  • Untersuchung der Schilddrüsenwerte, insbesondere bei älteren Katzen

Auch Erkrankungen wie Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion können zu einer Verdickung des Herzmuskels führen und müssen bei der Diagnostik berücksichtigt werden.


Muss jede Katze mit HCM Medikamente bekommen?


Nein. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und den individuellen Veränderungen am Herzen.

Eine Katze mit einer milden HCM ohne Beschwerden benötigt möglicherweise zunächst keine Medikamente, sondern regelmäßige Kontrolluntersuchungen.


Bei fortgeschrittener Erkrankung können – abhängig vom Befund – verschiedene Medikamente notwendig werden, beispielsweise zur:

  • Behandlung einer Herzinsuffizienz

  • Entwässerung bei Flüssigkeitsansammlungen

  • Beeinflussung bestimmter Herzrhythmusstörungen oder dynamischer Ausflussbahnveränderungen

  • Verringerung des Risikos einer Thromboembolie

Welche Medikamente sinnvoll sind, muss anhand des Herzultraschalls und des individuellen Befundes entschieden werden.


Atemfrequenz zu Hause kontrollieren


Eine besonders einfache und wertvolle Kontrolle können Katzenbesitzer selbst durchführen: die Atemfrequenz im Schlaf.

Gezählt werden die Atemzüge, wenn die Katze ruhig schläft und nicht schnurrt.

Ein Heben und Senken des Brustkorbs entspricht einem Atemzug.

Bei einer stabilen Katze liegt die Atemfrequenz im Schlaf normalerweise deutlich unter 30 Atemzügen pro Minute. Steigt die Atemfrequenz wiederholt über den individuellen Normalwert oder liegt sie dauerhaft bei etwa 30 Atemzügen pro Minute oder darüber, sollte Rücksprache mit der Tierarztpraxis gehalten werden.

Bei deutlich beschleunigter oder angestrengter Atmung sollte die Katze sofort untersucht werden.


Wann handelt es sich um einen Notfall?


Bitte stellen Sie Ihre Katze sofort tierärztlich vor, wenn sie:

  • plötzlich Atemnot entwickelt,

  • mit offenem Maul atmet,

  • stark mit dem Bauch atmet,

  • plötzlich zusammenbricht,

  • die Hinterbeine plötzlich nicht mehr benutzen kann,

  • sehr starke Schmerzen zeigt oder

  • die Hinterpfoten plötzlich auffällig kalt werden.

Eine Katze mit Atemnot sollte möglichst wenig aufgeregt und belastet werden.


Wie ist die Prognose?


Die Prognose einer HCM ist sehr unterschiedlich.

Manche Katzen haben lediglich geringgradige Veränderungen und können über viele Jahre ohne Beschwerden leben. Andere Katzen entwickeln eine fortschreitende Erkrankung mit Herzinsuffizienz oder Thromboembolien.

Deshalb ist nicht allein die Diagnose „HCM“ entscheidend. Wichtig sind vor allem Ausmaß der Herzmuskelverdickung, Größe des linken Vorhofs, Herzfunktion und weitere Veränderungen im Herzultraschall.


Regelmäßige Kontrolluntersuchungen ermöglichen es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung entsprechend anzupassen.


Unser Rat


Wurde bei Ihrer Katze ein Herzgeräusch festgestellt oder gehört sie zu einer Rasse mit erhöhtem HCM-Risiko, kann eine weiterführende Herzuntersuchung sinnvoll sein.

Eine frühzeitige Diagnose bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihre Katze Medikamente benötigt – sie ermöglicht uns aber, die Entwicklung des Herzens zu überwachen und rechtzeitig zu reagieren.

FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease)
FLUTD bei Katzen – wenn der Gang zur Katzentoilette zum Problem wird


FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen der unteren Harnwege der Katze, also insbesondere der Harnblase und der Harnröhre.

Typische Anzeichen sind häufiges oder schmerzhaftes Wasserlassen, Blut im Urin oder plötzliches Urinieren außerhalb der Katzentoilette.


Besonders wichtig: Bei Katern kann es zu einem vollständigen Verschluss der Harnröhre kommen. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall.


Was bedeutet FLUTD?


FLUTD ist keine einzelne Erkrankung. Hinter den Beschwerden können unterschiedliche Ursachen stecken.


Dazu gehören insbesondere:

  • Feline idiopathische Zystitis (FIC)

  • Harnkristalle und Harngrieß

  • Blasensteine (Urolithen)

  • Harnröhrenpfropfen

  • Verengungen oder Verschlüsse der Harnröhre

  • bakterielle Harnwegsinfektionen

  • seltener Tumoren oder anatomische Veränderungen

Gerade bei jüngeren und mittelalten Katzen mit typischen Harnwegsbeschwerden ist eine idiopathische Zystitis eine häufige Ursache.


FIC – Blasenentzündung ohne bakterielle Infektion


Die Feline Idiopathische Zystitis (FIC) ist eine besondere Form der Blasenentzündung. „Idiopathisch“ bedeutet, dass keine eindeutige einzelne Ursache wie beispielsweise ein Blasenstein oder eine bakterielle Infektion gefunden wird.

Bei der FIC spielt Stress eine wichtige Rolle. Betroffene Katzen können sehr empfindlich auf Veränderungen ihrer Umgebung reagieren.


Mögliche Stressfaktoren sind beispielsweise:

  • Konflikte mit anderen Katzen

  • Veränderungen im Haushalt

  • Umzug oder neue Möbel

  • neue Menschen oder Tiere

  • Langeweile und Bewegungsmangel

  • fehlende Rückzugsmöglichkeiten

  • ungeeignete oder zu wenige Katzentoiletten

  • Veränderungen des gewohnten Tagesablaufs

Die Behandlung einer FIC besteht deshalb nicht nur aus Medikamenten. Auch Stressreduktion und eine Optimierung der Lebensumgebung können entscheidend sein.


Welche Katzen haben ein erhöhtes Risiko für FLUTD?


Grundsätzlich kann jede Katze betroffen sein. Bestimmte Faktoren erhöhen jedoch das Risiko für Erkrankungen der unteren Harnwege.


Besonders häufig betroffen bzw. gefährdet sind:

  • Kater

  • übergewichtige Katzen

  • insbesondere übergewichtige Kater

  • Wohnungskatzen

  • Katzen mit wenig Bewegung

  • Katzen mit geringer Wasseraufnahme

  • Katzen mit stark konzentriertem Urin

  • Katzen in einem stressreichen Umfeld

  • Katzen in Mehrkatzenhaushalten

  • Katzen, die bereits früher Harnwegsprobleme hatten

Warum sind Kater besonders gefährdet?


Die Harnröhre des Katers ist lang und an bestimmten Stellen sehr eng. Kristalle, Schleim, Entzündungsmaterial oder kleine Steine können deshalb leichter einen Verschluss verursachen.

Das bedeutet nicht, dass Kater grundsätzlich häufiger Blasenentzündungen bekommen müssen. Die möglichen Folgen einer Harnwegserkrankung können bei ihnen jedoch besonders gefährlich werden.


Welche Symptome verursacht FLUTD?


Typische Anzeichen sind:

  • häufiges Aufsuchen der Katzentoilette

  • Pressen beim Wasserlassen

  • nur kleine Mengen Urin

  • Schmerzen oder Miauen beim Urinieren

  • Blut im Urin

  • häufiges Lecken des Genitalbereichs

  • Urinieren außerhalb der Katzentoilette

  • Unruhe

  • Rückzug

  • verminderter Appetit

Manchmal fällt zunächst nur auf, dass die Katze plötzlich unsauber wird.

Wichtig: Urinieren außerhalb der Katzentoilette ist nicht automatisch ein Verhaltensproblem. Schmerzen und Erkrankungen der Harnwege sollten zunächst ausgeschlossen werden.


Kater kann keinen Urin absetzen – sofort zum Tierarzt!


Geht ein Kater immer wieder auf die Katzentoilette, presst, aber es kommt kein Urin oder nur noch wenige Tropfen, besteht der Verdacht auf einen Harnröhrenverschluss.

Das ist ein akuter Notfall!


Durch den Verschluss kann die Blase nicht mehr entleert werden. Der Urin staut sich zurück und die Nierenfunktion kann beeinträchtigt werden. Gleichzeitig können gefährliche Veränderungen der Elektrolyte – insbesondere ein Anstieg des Kaliums – auftreten.

Unbehandelt kann ein vollständiger Harnröhrenverschluss lebensbedrohlich werden.

Bitte in diesem Fall nicht bis zum nächsten Tag warten, sondern die Katze sofort tierärztlich vorstellen.


Wie wird FLUTD diagnostiziert?


Da FLUTD verschiedene Ursachen haben kann, ist eine genaue Untersuchung wichtig.


Je nach Befund können sinnvoll sein:

  • Urinuntersuchung:
    Dabei werden unter anderem spezifisches Gewicht, Urin-pH-Wert, Blut, Entzündungszellen und mögliche Kristalle beurteilt.

  • Ultraschalluntersuchung:
    Die Harnblase kann auf Blasensteine, Sediment und Veränderungen der Blasenwand untersucht werden.

  • Röntgenuntersuchung:
    Viele Blasensteine lassen sich auf Röntgenaufnahmen erkennen.

  • Bakteriologische Untersuchung:
    Bei Verdacht auf eine bakterielle Harnwegsinfektion kann eine Urinkultur durchgeführt werden.

Bei wiederkehrenden Beschwerden können weitere Untersuchungen erforderlich sein.


FLUTD bedeutet nicht automatisch Antibiotika


Harnwegsbeschwerden bei Katzen werden nicht automatisch durch Bakterien verursacht.

Insbesondere bei jüngeren ansonsten gesunden Katzen ist eine FIC häufig nicht bakteriell bedingt. Ein Antibiotikum hilft bei einer nicht bakteriellen Blasenentzündung nicht gegen die eigentliche Ursache.

Deshalb ist es sinnvoll, zunächst zu klären, welche Form der FLUTD vorliegt.


Welche Rolle spielen Struvitkristalle und Blasensteine?


Kristalle im Urin können bei manchen Katzen eine Rolle spielen. Besonders bekannt sind Struvit- und Calciumoxalatkristalle bzw. -steine.


Dabei gilt:

Kristalle im Urin sind nicht automatisch gleichbedeutend mit Blasensteinen.

Umgekehrt können Blasensteine vorhanden sein, obwohl in einer einzelnen Urinprobe keine Kristalle gefunden werden.

Deshalb können Ultraschall und/oder Röntgen wichtige Bestandteile der Diagnostik sein.


Wie wird FLUTD behandelt?


Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

Je nach Befund können beispielsweise erforderlich sein:

  • Schmerztherapie

  • Behandlung einer Blasenentzündung

  • spezielle Ernährung bei bestimmten Harnsteinarten

  • Steigerung der Flüssigkeitsaufnahme

  • Behandlung einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion

  • Entfernung von Blasensteinen

  • Behandlung eines Harnröhrenverschlusses

  • Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Katzen

  • Stressmanagement und Verbesserung der Haltungsbedingungen

Bei einer FIC ist eine multimodale Behandlung besonders wichtig. Medikamente allein reichen bei wiederkehrenden Problemen häufig nicht aus.


Mehr trinken – ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung


Ein wichtiges Ziel bei vielen Katzen mit FLUTD ist ein weniger stark konzentrierter Urin.

Die Flüssigkeitsaufnahme kann beispielsweise gefördert werden durch:

  • überwiegende Fütterung von Nassfutter

  • mehrere Wassernäpfe

  • Trinkbrunnen

  • Wasserstellen getrennt vom Futterplatz

  • Zugabe von Wasser zum Nassfutter, wenn die Katze dies akzeptiert

  • Übergewicht reduzieren und Bewegung fördern

Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für Erkrankungen der unteren Harnwege.


Übergewichtige Katzen bewegen sich häufig weniger und setzen möglicherweise seltener Urin ab. Eine kontrollierte Gewichtsreduktion und mehr Bewegung können deshalb Teil eines langfristigen Behandlungskonzeptes sein.

Besonders bei übergewichtigen Katern sollte auf erste Anzeichen von Harnwegsproblemen geachtet werden.


Stress reduzieren


Bei Katzen mit wiederkehrender FIC sollte auch die Umgebung betrachtet werden.

Hilfreich können sein:

  • ausreichend Rückzugsmöglichkeiten

  • erhöhte Liegeplätze

  • regelmäßiges Spielen und Beschäftigung

  • mehrere getrennte Futter- und Wasserstellen

  • Vermeidung von Konflikten zwischen Katzen

  • ausreichend Katzentoiletten

Als Faustregel für Mehrkatzenhaushalte wird häufig empfohlen:

Anzahl der Katzen + eine zusätzliche Katzentoilette.

Die Toiletten sollten möglichst an verschiedenen ruhigen Orten stehen und regelmäßig gereinigt werden.


FLUTD kann wiederkommen


Bei manchen Katzen treten die Beschwerden nur einmal auf, bei anderen kommt es zu wiederkehrenden Episoden.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur die akuten Symptome zu behandeln, sondern mögliche Auslöser und Risikofaktoren langfristig zu reduzieren.


Fazit


FLUTD ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen der unteren Harnwege bei Katzen. Hinter ähnlichen Symptomen können ganz unterschiedliche Ursachen stecken – von einer stressbedingten idiopathischen Zystitis über Kristalle und Blasensteine bis hin zu einem Harnröhrenverschluss.

Besonders Kater und übergewichtige Katzen sollten aufmerksam beobachtet werden.

Häufiges oder schmerzhaftes Wasserlassen, Blut im Urin und plötzliches Urinieren außerhalb der Katzentoilette sollten tierärztlich abgeklärt werden.

Kann ein Kater keinen Urin mehr absetzen, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall und er muss sofort tierärztlich behandelt werden.

Nierenerkrankungen bei älteren Katzen

Nierenerkrankungen gehören besonders bei älteren Katzen zu den häufigeren Erkrankungen. Das Problem: Katzen zeigen oftmals erst spät deutliche Symptome. Eine regelmäßige Vorsorge und frühzeitige Diagnose sind deshalb besonders wichtig.


Welche Aufgaben haben die Nieren?


Die Nieren erfüllen zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Sie filtern Abbauprodukte aus dem Blut, regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt und sind unter anderem an der Regulation des Blutdrucks beteiligt.


Bei einer Nierenerkrankung nimmt diese Leistungsfähigkeit zunehmend ab. Man unterscheidet dabei zwischen einer akuten Nierenschädigungund einer chronischen Nierenerkrankung (CNE).


Typische Symptome


Nierenprobleme entwickeln sich bei Katzen häufig schleichend. Mögliche Anzeichen sind:

  • vermehrtes Trinken

  • vermehrter Urinabsatz

  • Gewichtsverlust

  • schlechter oder wechselnder Appetit

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Müdigkeit und Rückzug

  • stumpfes oder ungepflegtes Fell

  • Austrocknung

  • unangenehmer Maulgeruch

  • Muskelschwund

Besonders wenn eine ältere Katze plötzlich deutlich mehr trinkt oder Gewicht verliert, sollte die Nierenfunktion überprüft werden.


Wie stellen wir eine Nierenerkrankung fest?


Zur Diagnostik gehören neben der allgemeinen Untersuchung vor allem Blut- und Urinuntersuchungen.

Im Blut können unter anderem folgende Werte beurteilt werden:

  • Kreatinin

  • Harnstoff

  • SDMA

  • Phosphat

  • Elektrolyte

Ebenso wichtig ist eine Urinuntersuchung, da sie beispielsweise Informationen über die Konzentrationsfähigkeit der Nieren und einen möglichen Eiweißverlust liefert.

Je nach Befund können zusätzlich eine Blutdruckmessung und eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege sinnvoll sein.


Warum Vorsorge so wichtig ist


Eine Katze kann bereits eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, obwohl sie äußerlich noch gesund erscheint.

Gerade bei älteren Katzen sind deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Blut- und Urinkontrollen empfehlenswert. Je früher Veränderungen erkannt werden, desto früher können wir gezielt reagieren.


Wie werden Nierenprobleme behandelt?


Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Stadium der Erkrankung und wird individuell auf die Katze abgestimmt.


Mögliche Bestandteile der Therapie sind:

  • angepasste Ernährung

  • ausreichende Flüssigkeitsversorgung

  • Behandlung von Übelkeit und Erbrechen

  • Kontrolle erhöhter Phosphatwerte

  • Behandlung eines erhöhten Blutdrucks

  • Therapie eines Eiweißverlustes über die Nieren

  • Ausgleich von Elektrolytstörungen

  • Infusionen bei Bedarf

  • regelmäßige Blut- und Urinkontrollen

Bei einer chronischen Nierenerkrankung kann bereits geschädigtes Nierengewebe in der Regel nicht wiederhergestellt werden. Ziel ist deshalb, die noch vorhandene Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten und der Katze eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.


Die richtige Ernährung


Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie sollte jedoch immer an das Stadium der Erkrankung, die Laborwerte und den Ernährungszustand der Katze angepasst werden.


Ganz besonders wichtig: Die Katze muss fressen. Eine Katze sollte nicht über längere Zeit hungern, nur weil sie ein bestimmtes Nierenfutter nicht akzeptiert.

Auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme spielt eine wichtige Rolle. Nassfutter, zusätzliche Wassernäpfe oder Trinkbrunnen können dabei hilfreich sein.


Unser Rat: Nierenwerte frühzeitig kontrollieren


Nierenerkrankungen lassen sich umso besser begleiten, je früher sie erkannt werden.

Trinkt Ihre Katze auffällig viel, verliert Gewicht, frisst schlechter oder erbricht häufiger? Dann empfehlen wir eine tierärztliche Untersuchung mit Kontrolle der Nierenwerte und des Urins.

Auch bei Katzen ohne erkennbare Beschwerden sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im höheren Lebensalter sinnvoll.

Blasensteine
Blasensteine bei Katzen – Ursachen, Symptome und Behandlung


Blasensteine, medizinisch Urolithen genannt, sind ein häufiges Problem der ableitenden Harnwege bei Katzen. Dabei bilden sich aus Mineralien im Urin zunächst Kristalle und schließlich größere Steine, die sich in der Harnblase oder den Harnwegen befinden können.


Blasensteine können Schmerzen und Entzündungen verursachen. Besonders bei Katern besteht aufgrund ihrer langen und engen Harnröhre die Gefahr, dass Kristalle, Harngrieß oder kleine Steine den Harnabfluss behindern oder vollständig blockieren.


Ein solcher Harnröhrenverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall und muss umgehend tierärztlich behandelt werden.


Welche Katzen haben ein erhöhtes Risiko?


Grundsätzlich kann jede Katze Blasensteine oder andere Erkrankungen der unteren Harnwege entwickeln. Bestimmte Faktoren können das Risiko jedoch erhöhen.


Besonders aufmerksam sollte man bei folgenden Katzen sein:

  • männliche Katzen bzw. Kater

  • übergewichtige Katzen und insbesondere übergewichtige Kater

  • Katzen mit wenig Bewegung

  • reine Wohnungskatzen

  • Katzen, die wenig trinken

  • Katzen mit sehr konzentriertem Urin

  • Katzen, die bereits früher Harnkristalle oder Blasensteine hatten

  • Katzen mit entsprechender genetischer bzw. rassebedingter Veranlagung

Übergewichtige Kater stellen eine besonders wichtige Risikogruppe dar. Übergewicht geht häufig mit geringerer Aktivität einher und wird mit Erkrankungen der unteren Harnwege in Verbindung gebracht. Beim Kater kommt zusätzlich die anatomisch sehr enge Harnröhre hinzu. Dadurch können Kristalle, Schleim und entzündliches Material leichter zu einem gefährlichen Harnröhrenverschluss führen.

Übergewicht bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Katze Blasensteine entwickelt. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen.


Welche Blasensteine kommen bei Katzen vor?


Zu den häufigsten Harnsteinarten der Katze gehören:


Struvitsteine

Struvitsteine bestehen hauptsächlich aus Magnesium-Ammonium-Phosphat. Ihre Entstehung wird unter anderem von der Zusammensetzung und Konzentration des Urins sowie vom Urin-pH-Wert beeinflusst.

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Steinarten: Struvitsteine können unter bestimmten Voraussetzungen mit einer speziellen therapeutischen Diät aufgelöst werden.


Calciumoxalatsteine

Calciumoxalatsteine können im Gegensatz zu Struvitsteinen normalerweise nicht durch eine Diät aufgelöst werden. Abhängig von Größe, Lage und Beschwerden kann deshalb eine Entfernung notwendig werden.


Seltener kommen beispielsweise Urat-, Cystin- oder andere Harnsteine vor.


Welche Katzenrassen sind häufiger betroffen?


Grundsätzlich können Blasensteine bei allen Katzenrassen auftreten. Bei einigen Rassen wird jedoch eine erhöhte Veranlagung für bestimmte Harnsteinarten, insbesondere Calciumoxalatsteine, beschrieben.

Dazu gehören unter anderem:

  • Britisch Kurzhaar

  • Perserkatze

  • Himalayakatze

  • Exotic Shorthair

  • Ragdoll

Die Rasse allein entscheidet jedoch nicht darüber, ob eine Katze Blasensteine entwickelt. Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Flüssigkeitsaufnahme, Ernährung und individuelle Stoffwechselfaktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.


Warum entstehen Blasensteine bei Katzen?


Die Entstehung von Blasensteinen ist meist multifaktoriell. Begünstigende Faktoren können sein:

  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme

  • stark konzentrierter Urin

  • Zusammensetzung der Nahrung

  • Veränderungen des Urin-pH-Wertes

  • Übergewicht

  • Bewegungsmangel

  • genetische bzw. rassebedingte Veranlagung

  • bestimmte Stoffwechselerkrankungen

  • individuelle Veranlagung

Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist deshalb bei vielen Katzen ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung.


Symptome – woran erkennt man Blasensteine?


Typische Anzeichen für Probleme der unteren Harnwege sind:

  • häufiges Aufsuchen der Katzentoilette

  • Absetzen nur kleiner Urinmengen

  • Pressen beim Wasserlassen

  • Schmerzen oder Lautäußerungen beim Urinieren

  • Blut im Urin

  • Urinieren außerhalb der Katzentoilette

  • häufiges Lecken im Genitalbereich

  • Unruhe oder Rückzug

  • verminderter Appetit

Achtung: Kater, der keinen Urin absetzen kann = Notfall!


Besonders bei Katern muss sehr genau beobachtet werden, ob tatsächlich Urin abgesetzt wird.

Geht ein Kater immer wieder auf die Katzentoilette, presst und setzt keinen oder nur noch tropfenweise Urin ab, muss er sofort tierärztlich vorgestellt werden.


Bei einem vollständigen Harnröhrenverschluss kann sich der Urin bis zu den Nieren zurückstauen. Gleichzeitig können schwere Elektrolytverschiebungen, insbesondere ein gefährlich erhöhter Kaliumspiegel, entstehen. Dieser Zustand kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.


Wie werden Blasensteine diagnostiziert?


Zur Diagnostik können verschiedene Untersuchungen notwendig sein:

  • Urinuntersuchung:
    Beurteilt werden unter anderem spezifisches Gewicht, Urin-pH-Wert, Blut, Entzündungszellen und vorhandene Kristalle.

  • Ultraschall:
    Mit einer Ultraschalluntersuchung können viele Blasensteine und Veränderungen der Blasenwand dargestellt werden.

  • Röntgen:
    Viele Harnsteine lassen sich im Röntgenbild erkennen.

Wichtig ist: Kristalle im Urin bedeuten nicht automatisch, dass Blasensteine vorhanden sind. Ebenso können Blasensteine vorhanden sein, obwohl in einer einzelnen Urinprobe keine Kristalle nachweisbar sind.


Behandlung von Blasensteinen


Die Behandlung richtet sich nach Art, Größe und Lage der Steine sowie dem Zustand der Katze.

Struvitsteine können in geeigneten Fällen mit einer speziellen therapeutischen Ernährung aufgelöst werden.

Calciumoxalatsteine lassen sich dagegen normalerweise nicht durch eine Diät auflösen und müssen abhängig vom Befund entfernt werden.


Nach einer Entfernung sollte die Zusammensetzung des Steins möglichst untersucht werden. Dadurch können anschließend gezielte Maßnahmen zur Vorbeugung getroffen werden.

Vorbeugung: Flüssigkeitsaufnahme und Gewicht beachten

Gerade bei Katzen mit wiederkehrenden Harnwegsproblemen spielen Flüssigkeitsaufnahme, Ernährung und Körpergewicht eine wichtige Rolle.


Hilfreich können sein:

  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme

  • überwiegende Fütterung von Nassfutter

  • mehrere Wasserstellen

  • Trinkbrunnen

  • bei Akzeptanz zusätzliches Wasser im Nassfutter

  • regelmäßige Gewichtskontrolle

  • Übergewicht reduzieren

  • ausreichende Bewegung und Beschäftigung

  • regelmäßige Urinkontrollen bei Risikopatienten

Welche Ernährung optimal ist, hängt von der jeweiligen Steinart ab. Eine eigenständige Ansäuerung oder Alkalisierung des Urins ohne vorherige Diagnostik sollte vermieden werden.


Blasensteine oder Blasenentzündung?


Nicht jede Katze mit Schmerzen oder Problemen beim Wasserlassen hat Blasensteine. Sehr ähnliche Beschwerden können beispielsweise bei einer felines idiopathischen Zystitis (FIC), einer bakteriellen Blasenentzündung oder anderen Erkrankungen der unteren Harnwege auftreten.

Deshalb ist eine genaue Diagnostik wichtig, bevor eine gezielte Therapie oder Futterumstellung erfolgt.


Fazit


Blasensteine bei Katzen sind gut behandelbar, können jedoch insbesondere bei Katern zu einem lebensbedrohlichen Harnröhrenverschluss führen.


Kater, übergewichtige Katzen und insbesondere übergewichtige Kater sollten hinsichtlich ihrer Harnwegsgesundheit besonders aufmerksam beobachtet werden. 

Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, ein gesundes Körpergewicht und eine an die individuelle Situation angepasste Ernährung können wichtige Bestandteile der Vorbeugung sein.

Zeigt eine Katze Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder ungewöhnlich häufige Toilettengänge, sollte sie tierärztlich untersucht werden. Kann ein Kater keinen Urin mehr absetzen, handelt es sich um einen Notfall.

Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen bei der Katze


Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse kommen bei Katzen häufiger vor, als man zunächst vermuten würde. Besonders eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse – die sogenannte Pankreatitis – kann bei Katzen auftreten und bleibt aufgrund ihrer oftmals unspezifischen Symptome leicht unerkannt.

Da Katzen Beschwerden häufig lange verbergen, ist eine frühzeitige tierärztliche Untersuchung besonders wichtig.


Welche Aufgabe hat die Bauchspeicheldrüse?


Die Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas genannt, erfüllt zwei wichtige Funktionen.


Sie produziert Verdauungsenzyme, die im Dünndarm für die Aufspaltung von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten benötigt werden. Außerdem bildet sie wichtige Hormone wie Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren.


Erkrankungen des Pankreas können deshalb sowohl die Verdauung als auch den gesamten Stoffwechsel beeinflussen.


Pankreatitis – Entzündung der Bauchspeicheldrüse


Bei einer Pankreatitis entzündet sich das Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen.

Gerade bei Katzen ist die chronische Form nicht selten. Die Beschwerden können dabei sehr mild sein und immer wieder auftreten. Deshalb wird eine Pankreatitis manchmal erst spät erkannt.


Welche Symptome können auftreten?


Anders als beim Hund zeigen Katzen bei einer Pankreatitis häufig keine eindeutigen Symptome.


Mögliche Anzeichen sind:

  • verminderter oder fehlender Appetit

  • Gewichtsverlust

  • Müdigkeit und Rückzug

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Durchfall

  • Austrocknung

  • Bauchschmerzen

  • erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur

  • allgemeine Schwäche

Appetitlosigkeit und Rückzug können bei der Katze bereits wichtige Warnzeichen sein.


Wie entsteht eine Pankreatitis?


Bei vielen Katzen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Eine Pankreatitis kann jedoch zusammen mit anderen Erkrankungen auftreten.


Besonders bekannt ist die sogenannte Triaditis. Dabei bestehen gleichzeitig Entzündungen der:

  • Bauchspeicheldrüse

  • Leber bzw. Gallenwege

  • Darmschleimhaut

Auch andere Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen können mit Veränderungen der Bauchspeicheldrüse verbunden sein.


Wie wird eine Pankreatitis festgestellt?


Die Diagnose kann bei Katzen eine Herausforderung darstellen, da die Symptome häufig unspezifisch sind.

Neben der gründlichen klinischen Untersuchung können verschiedene Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Blutuntersuchung

  • Bestimmung der pankreasspezifischen Lipase, z. B. fPL

  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums

  • Kontrolle von Leber-, Nieren- und Blutzuckerwerten

  • gegebenenfalls weitere Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes

Die Diagnose ergibt sich häufig aus der Kombination von Symptomen, Laborwerten und bildgebender Diagnostik.


Wie wird eine Pankreatitis behandelt?


Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Beschwerden der Katze.


Mögliche Behandlungsmaßnahmen sind:

  • ausreichende Flüssigkeitsversorgung

  • Infusionstherapie bei Bedarf

  • konsequente Schmerztherapie

  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

  • Unterstützung der Futteraufnahme

  • Behandlung vorhandener Begleiterkrankungen

  • individuell angepasste Ernährung

Ein wichtiger Punkt ist die frühzeitige Nahrungsaufnahme. Katzen sollten möglichst nicht über längere Zeit nichts fressen, da längere Futterverweigerung zusätzliche gesundheitliche Probleme verursachen kann.


Chronische Pankreatitis


Eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann über einen längeren Zeitraum bestehen und immer wieder Beschwerden verursachen.


Durch eine fortschreitende Schädigung des Pankreas können in manchen Fällen weitere Erkrankungen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Diabetes mellitus oder eine exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI).


Bei einer EPI werden nicht mehr genügend Verdauungsenzyme produziert. Die Katze kann dann trotz Futteraufnahme Gewicht verlieren und benötigt unter Umständen dauerhaft Verdauungsenzyme über das Futter.


Prognose


Die Prognose hängt stark davon ab, wie ausgeprägt die Erkrankung ist und ob weitere Erkrankungen vorliegen.

Leichte oder chronische Formen lassen sich häufig gut begleiten. Eine schwere akute Pankreatitis kann dagegen eine ernsthafte Erkrankung darstellen und eine intensive Behandlung erforderlich machen.


Wann sollte Ihre Katze untersucht werden?


Bitte lassen Sie Ihre Katze untersuchen, wenn sie:

  • plötzlich nicht mehr oder deutlich weniger frisst

  • wiederholt erbricht

  • zunehmend Gewicht verliert

  • ungewöhnlich ruhig oder zurückgezogen wirkt

  • Schmerzen zeigt

  • über längere Zeit immer wieder Verdauungsprobleme hat

Je früher die Ursache erkannt wird, desto gezielter können wir behandeln und möglichen Folgeerkrankungen entgegenwirken.

Stark gerötetes Zahnfleisch bei einer jungen Katze

Bei Ihrer Katze wurde eine ausgeprägte Rötung und Entzündung des Zahnfleisches festgestellt?


Ein derart „feuerrotes“ Zahnfleisch ist insbesondere bei einer erst etwa einjährigen Katze nicht als normal anzusehen und sollte weiter abgeklärt und behandelt werden.


Was kann hinter der starken Rötung des Zahnfleisches stecken?


Bei jungen Katzen – insbesondere auch bei bestimmten Rassekatzen wie der Maine Coon – kann eine sogenannte juvenile Gingivitis bzw. juvenile Parodontitis auftreten.

Dabei reagiert das Zahnfleisch sehr stark entzündlich. Die Erkrankung tritt häufig während oder nach dem Wechsel auf die bleibenden Zähne auf.

Daneben kommen weitere Ursachen infrage, beispielsweise:

  • starke Reaktion auf bakterielle Zahnbeläge (Plaque)

  • Zahnstein und Veränderungen unterhalb des Zahnfleischrandes

  • beginnende Parodontitis

  • Zahnresorptionen (FORL)

  • feline chronische Gingivostomatitis

  • virale Erkrankungen, insbesondere Calicivirus

  • FIV oder FeLV

seltener andere entzündliche oder immunologische Erkrankungen


Warum ist die Abklärung wichtig?


Katzen zeigen Zahnschmerzen häufig erst sehr spät. Selbst eine Katze, die noch normal frisst, kann bereits erhebliche Schmerzen im Maul haben.


Mögliche Anzeichen sind:

  • sehr rotes oder geschwollenes Zahnfleisch

  • Zahnfleischbluten

  • Mundgeruch

  • vermehrter Speichelfluss

  • vorsichtiges oder einseitiges Kauen

  • Futter fallen lassen

  • Bevorzugung von weichem Futter

  • Pfote am Maul

  • Rückzug oder Verhaltensänderungen


Was sollte untersucht werden?


Bei einer ausgeprägten Zahnfleischentzündung empfehlen wir eine gründliche Untersuchung der gesamten Maulhöhle und der Zähne.


Je nach Befund kann eine Untersuchung in Narkose mit Dentalröntgen notwendig sein. Das Dentalröntgen ist wichtig, da Veränderungen der Zahnwurzeln, des Kieferknochens oder Zahnresorptionen von außen nicht immer sichtbar sind.

Bei sehr starker oder ungewöhnlicher Entzündung können zusätzlich Blutuntersuchungen sowie Tests auf FIV und FeLV und gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll sein.


Behandlung


Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Veränderungen.


Mögliche Maßnahmen sind:

  • professionelle Zahnreinigung in Narkose

  • gründliche Entfernung von Plaque und Zahnstein auch unterhalb des Zahnfleischrandes

  • Politur der Zähne

  • vollständige Untersuchung und Dentalröntgen

  • Behandlung schmerzhafter oder erkrankter Zähne

  • gegebenenfalls Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne

  • ausreichende Schmerztherapie

  • weitere Behandlung entsprechend der zugrunde liegenden Erkrankung

Antibiotika allein lösen eine ausgeprägte Zahnfleischentzündung in der Regel nicht dauerhaft, wenn die eigentliche Ursache im Bereich der Zähne, des Zahnhalteapparates oder in einer überschießenden Entzündungsreaktion liegt.

Gerade bei einer jungen Katze ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um eine fortschreitende Schädigung des Zahnhalteapparates möglichst zu verhindern.

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